Lyrik

Der Fächer meiner Lyrik

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Mein erstes Gedicht, „Frühlingserwachen“, verfasste ich mit siebzehn Jahren. Diese Verse pubertärer Selbstsuche geben dem Resonanzraum der Natur lyrischen Ausdruck. An jenem Tag, als sie mir in den Donauauen bei Korneuburg in den Sinn kamen, schwänzte ich die Schule. Das tat ich übrigens nur zweimal während meiner ganzen Schulzeit. 

In den 1980er Jahren erwarb ich die Hochschulreife, studierte und trat an der Universität Wien ins Berufsleben ein. Während meines Studiums der slawischen Sprachen geriet ich ins Magnetfeld des Kalten Krieges, obwohl sich die Machtblöcke damals bereits annäherten. Die damit verbundenen krisenhaften Erfahrungen in Wien und Prag prägten mich nachhaltig. Die teilweise experimentelle Lyrik jenes Jahrzehnts blendet die Krise nicht aus, thematisiert aber auch auf Reiseeindrücke, erotische Erlebnisse,  u. a. 

Am 17. November 1990, auf den Tag genau ein Jahr nach der Samtenen Revolution, die in der damaligen Tschechoslowakei die Wende zur Demokratie einleitete, begann ich in Prag einen neuen Lebensabschnitt, der ein volles Jahrzehnt währte. Durch Anstellungen als Lehrerin und dann als Managerin im Hochschulbereich lebte ich sorgenfrei in einem Milieu, das mich intellektuell forderte und mir neue Horizonte eröffnete. Als Fremde in einer fremden Welt, die sich in einem zwar konfliktreichen, doch aufstrebenden Umbruch befand, fühlte ich mich verstärkt angeregt zu dichten. Der besondere Genius Loci der Hauptstadt an der Moldau hat den ganz eigenen Ton dieser Lyrik geprägt, sie ist sangbarer, bildhafter, harmonischer als die Verse, die ich anderswo schrieb.

Mit der Heirat und dem Umzug nach Oberfranken begann eine gesetztere Lebensphase. Der Strom der Lyrik schwoll dennoch zunächst noch an, die Beibehaltung meines böhmischen Standbeins war dabei wesentlich, bevor er allmählich in ein Bächlein überging, das jedoch nie versiegt ist. Und so sind in dem halben Jahrhundert seit meiner ersten lyrischen Schöpfung rund zweitausend Gedichte zusammengekommen. Erst rückwirkend ordne ich sie nun Sparten wie reflexive Lyrik, Kunst und Künstler, Reiselyrik, Liebeslyrik, Frauengestalten und Naturlyrik zu. Erst in der Rückschau erkenne ich auch, wie sehr mir die Lyrik zu einer konstanten inneren Notwendigkeit geworden ist.